WUSSTEN SIE SCHON...

Karl Marx und die Frauen

6. Oktober 2017

Frauen spielten in Karl Marx‘ familiärem Umfeld eine wichtige Rolle. Allen voran Jenny von Westphalen. Karl kannte die Tochter des Regierungsrates schon seit seiner Kindheit in Trier und liebte sie leidenschaftlich. Jenny erwiderte Karls innige Gefühle, obwohl dieser vier Jahre jünger und von niedrigerem gesellschaftlichen Status war. Nach einer zunächst heimlichen Verlobung und siebenjähriger Wartezeit heirateten die beiden 1843. Jenny war fortan nicht nur liebende Gattin und Mutter, sondern auch Diskussionspartnerin auf Augenhöhe: Sie unterstützte Marx‘ Arbeit vorbehaltlos. Jenny Marx verfasste nicht nur eigene Texte über die Revolution in Deutschland und Theaterkritiken, sondern spielte auch eine bedeutende Rolle in Marx‘ politischen Wirken: Schließlich schrieb sie Karls unleserliche Manuskripte ab und bearbeitete diese. Jenny folgte ihrem Mann auf seinem gesamten bewegten Lebensweg – und der war mit einer Reihe von Umzügen und Stationen im Exil und nicht zuletzt wirtschaftlicher Not mehr als steinig. Als Jenny 1881 nach schwerer Krankheit in London starb, sagte Wilhelm Liebknecht: „Mit ihr starb er. Ihr Tod war sein Tod. Das wussten alle, die ihn kannten.“ Karl Marx überlebte seine Jenny keine anderthalb Jahre.

Jenny war aber nicht die einzige Frau, der Karl Marx viel zu verdanken hat: Auch die drei Töchter, die wie ihre Eltern überdurchschnittlich begabt und außerordentlich gebildet waren, unterstützten den Vater und waren ebenso politisch aktiv: Jenny und Laura heirateten französische Sozialisten und engagierten sich in der französischen Arbeiterbewegung. Die jüngste Tochter Eleanor, genannt Tussy, galt als politisch besonders begabt und fungierte schließlich wie die Mutter als Marx‘ Sekretärin. Später verband sie sich mit einem englischen Schriftsteller und Sozialisten und war gemeinsam mit ihm in der englischen Arbeiterbewegung aktiv. Bis zum Tod von Friedrich Engels im Jahr 1895 half Tussy diesem bei der Sichtung des väterlichen Nachlasses.

Und schließlich war da noch Helena Demuth – das Lenchen, wie die langjährige Hausgehilfin, enge Vertraute und verlässliche politische Gefährtin des großen Gelehrten genannt wurde. Sie folgte ab 1845 der jungen Familie Marx zu jeder Station ihres Lebens bis ins endgültige Exil nach London. Dass sie mit Marx mehr verband als ein oftmals unbezahltes Arbeitsverhältnis, wurde 1851 deutlich: Da brachte sie Marx‘ unehelichen Sohn zur Welt. Für den Jungen, der Karl Marx wie aus dem Gesicht geschnitten schien, übernahm Friedrich Engels offiziell die Vaterschaft. Welch ein Freundschaftsdienst! Lenchen wurde sogar im Familiengrab der Familie in London beigesetzt, neben Karl und Jenny. Das war ein Wunsch der Töchter Eleanor und Laura.

Wer weiß, was aus Marx geworden wäre ohne all seine Unterstützerinnen? Vielleicht waren Frauen mit sein größtes Kapital…

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