MARX VERSTEHEN WUSSTEN SIE SCHON...

Wie Engels Marx zum Ökonomen machte

14. Dezember 2017

In den letzten Jahren wurde viel darüber diskutiert, welche Bedeutung Karl Marx heute hat, und vor allem stellen viele die Frage, ob seine Theorien heute noch gelten. Viele dieser Fragen werden in der großen Landesausstellung KARL MARX 1818 – 1883. LEBEN. WERK. ZEIT. behandelt. Wir wollen hier vorab aber schon mal einen Blick darauf werfen, wie Marx überhaupt zum Ökonomen wurde.

Die Politisierung von Karl Marx

Als Karl Marx 1818 geboren wurde, war die Gesellschaft geprägt vom wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertum. Bald lernte er Zensur, Repression und Armut kennen. Aus dem Literatur und Poesie liebenden Philosophen wurde erst ein Radikaldemokrat, dann ein Kommunist, der Gesellschaftskritiker und politische Analytiker, als den wir ihn heute kennen. Marx‘ Politisierung konnte direkt vor der Haustür beginnen: Schließlich war die Not der Moselwinzer in Trier an allen Ecken zu spüren, Holzdiebstahl an der Tagesordnung. Als Marx als Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln anfing, nahm er sich auch der ökonomischen Verhältnisse in seiner Heimat an und kritisierte die Zustände scharf. Als Journalist wurde er zum Revolutionär durch das Wort. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 setzte Marx im Londoner Exil seine ökonomischen Studien fort. Hier analysierte er die sich immer vehementer ausprägende kapitalistische Produktionsweise und das ihr entsprechende Gesellschaftssystem.

Engels als Förderer

„Das Kapital“ machte Marx weltweit bekannt. Doch während der erste Band vor genau 150 Jahren, 1867 in Hamburg, erschien, trat der Ruhm erst nach seinem Tod 1883 ein, als Friedrich Engels die Notizen und Ideenskizzen seines Freundes Marx zusammenführte und die Bände zwei und drei herausgab. Engels betreute zudem die erste englische Übersetzung und förderte die internationale Wahrnehmung der Publikation. Es war nicht zuletzt Friedrich Engels gewesen, der Karl Marx zur Ökonomie geführt hatte. Karl Marx war ja zeitlebens „nur“ Theoretiker und hat wohl kaum je eine Fabrik von innen gesehen. Die umfangreichen Kenntnisse in Sachen praktischer Ökonomie brachte Engels ein. Der hatte nämlich als Sohn eines erfolgreichen Textilunternehmers in Barmen in der Familienniederlassung in Manchester die Gelegenheit, die Situation der Arbeiter aus nächster Nähe zu beobachten. Nach einem gemeinsamen Besuch in der Stadt, die damals aufgrund der dort ansässigen Baumwollindustrie auch „Cottonopolis“ genannt wurde, wandte sich Karl Marx nun verstärkt der Ökonomie zu. Das Landesmuseum Trier widmet übrigens der Hinführung von Marx zur Ökonomie über Friedrich Engels einen eigenen Ausstellungsteil. Hier ist etwa die frühe und wegweisende Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ zu sehen, in der Engels seine Beobachtungen in Manchester zusammenfasste. Die Industrie- und Sozialstruktur Manchesters und die enge Freundschaft zwischen Marx und Engels wird aber auch in der Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift beleuchtet.

Nach Ende der 1848/49er-Revolution vertiefte Karl Marx seine ökonomischen Studien. Im Londoner Exil nutzte er den Lesesaal der großen Bibliothek im British Museum mit einem Bestand von damals einer Million Büchern aus aller Welt. Marx studierte dort die Schriften der bedeutenden Ökonomen wie Adam Smith und David Ricardo, las aber auch aktuelle Tageszeitungen mit ökonomischem Schwerpunkt wie „The Economist“. Ihn interessierte der Zusammenhang von Wirtschaft und Gesellschaft, die Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf die gesellschaftliche Struktur und die Lebensverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Außerdem untersuchte er das Phänomen der wirtschaftlichen Krisen. Marx schöpfte daraus die Hoffnung, dass aus einer Wirtschaftskrise heraus soziale Unruhen zu einem Umsturz des kapitalistischen Systems führen könnten. Als im Sommer 1857 eine erste sich weltweit auswirkende Krise ausbrach, führte er akribisch alle Informationen in seinem „Book of the Crisis of 1857“ zusammen. Dieses Buch wird im Rheinischen Landesmuseum im Original zu sehen sein. Besucher werden daneben die Möglichkeit haben, in einem Faksimiledruck die Krisenanalyse nachzuvollziehen.

Karl Marx wollte mit seiner Beobachtung beweisen, dass die Selbstregulierungskräfte des Marktes nicht ausreichen, um Krisen zu bewältigen. Doch er irrte in der Annahme, dass das kapitalistische System in einer Krise zugrunde gehen würde. Er unterschätzte wohl die Flexibilität des Systems. Marx‘ Erkenntnisse um die störanfällige Dynamik des Kapitalismus gelten dennoch weiterhin als erste fundierte Analyse der Gesamtzusammenhänge. Gerade deshalb lohnt sich noch heute eine Auseinandersetzung mit Marx‘ Ökonomie.

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